„Barackenlager im Gutleutviertel bekommt Toiletten“

Von ALEXANDER GOTTSCHALK

Etwa 30 Menschen hausen derzeit in Hüttenverschlägen auf dem Gelände einer Chemiefirma im Gutleutviertel. Bislang mussten sie zwei Kilometer laufen, um ihre Notdurft zu verrichten. Nun hat die Initiative „Solidarity City Frankfurt“ ihnen zwei Komposttoiletten errichtet.

Gheorghe (48) ist spät dran. Als er den Sprinter auf den Hinterhof des Tanzhauses West lenkt, fehlen nur noch letzte Handgriffe: Die hölzernen Gerüste der beiden Klohäuschen stehen bereits. Eine Toilette für Frauen, eine für Männer, so wie die Bewohner des Barackenlagers im Gutleutviertel es sich gewünscht hatten.

Ende März war bekannt geworden, dass auf dem brachliegenden Gelände des Chemieunternehmens Ferro etwa 30 Menschen behelfsmäßige Hütten errichtet haben. Auch Gheorghe lebt dort mit seiner Frau und zwei Kindern, wie die meisten kommen sie aus Rumänien.

Schon einmal hat Gheorghe im Gutleutviertel gehaust, in einem anderen Lager ein paar hundert Meter weiter, das vor vier Jahren geräumt wurde. Dieses Schicksal droht eigentlich auch seiner heutigen Wohnstätte: Aber trotz richterlicher Erlaubnis hat die Ferro GmbH die Obdachlosen noch nicht vertreiben lassen.

„Wir gehen nicht davon aus, dass es bald zur Räumung kommt“, sagt Alec de Zilva (19) von der Initiative „Solidarity City Frankfurt“. „Deshalb haben wir die Bewohner gefragt, wie wir vor Ort ihre Grundbedürfnisse erfüllen können.“ Vor allem die Hygiene war in dem Lager bisher ein großes Problem. Nun bekommt es zumindest eine einfache sanitäre Anlage.

Roma-Lager im Gutleutviertel

Unter dem Dach der Laderampe

Das Tanzhaus hat den Aktivisten erlaubt, die Toiletten auf ihrem Gelände zu bauen. Eine Schreinerei spendete Holzlatten gespendet, die Linkspartei steuerte einen kleinen dreistelligen Betrag bei, sie selbst kauften zwei Klodeckel, Rohre, Kanister und Toilettenpapier.

Jetzt zimmern ein Dutzend Helfer zwei einfache Komposttoiletten zusammen. Ein Becken fängt das Urin auf. Über den Kot, der sich in einen Auffangbehälter fällt, werden Sägespäne geschüttet. Wo die gesammelten Fäkalien entsorgt werden sollen, ist noch nicht abschließend geklärt. Sie hätten aber schon eine Lösung in Aussicht, erzählt De Zilva.

Zwanzig Minuten Laufen

Die Klohäuschen verbessern die Situation der Lagerbewohner immens, wie Gheorge beteuert. „Gut, das ist gut“, sagt er in gebrochenem Deutsch. „Wir sind dankbar für die Hilfe.“ Bislang schlugen sich die Männer und Frauen ins Gebüsch, liefen zu einer nahen Tankstelle oder wanderten zwanzig Minuten bis zur Obdachlosenhilfe Weser 5, um ihr Geschäft zu verrichten.

Die Arbeit von „Solidarity City“ sei allein mit den Toiletten noch nicht getan, sagt De Zilva. Die Aktivisten pflegen regelmäßigen Kontakt zu den Rumänen, die meist zur Gruppe der Roma gehören. Sie sagen: „Wasser ist ein zweites großes Problem.“ Derzeit waschen sich die Lagerbewohner mit Wasser aus im Supermarkt gekauften Flaschen.

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